Piotroski F-Score Aktienbewertung

Meine Aktienanalyse stützt sich auf mehrere Faktoren. Eine Möglichkeit finanziell gesunde Unternehmen zu identifizieren ist die F-Score, von Joseph D. Piotroski.

Einführung und Historie der Piotroski F-Score

Das Scoring-System „F-Score“ geht auf den Professor Joseph Piotroski der Stanford University zurück. Es wurde im Jahr 2000 entwickelt. Der F-Score beinhaltet 9 Werte aus der Bilanz einer Firma. Es ist eine Kennzahl, um die finanzielle Kraft von Firmen zu bewerten.

Piotroski nutzte das F-Score-System, um günstig bewertete Aktien einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Der F-Score wurde auf Aktien mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis angewendet. Solche Aktien stehen meist unter finanziellem Stress. Der F-Score fungiert hier als eine Art Qualitäts-Kennziffer, um unter den Value-Aktien diejenigen mit der höchsten Qualität ausfindig zu machen. Piotroski testete den F-Score im Zeitraum 1976 bis 1996 und erzielte eine Outperformance von etwa 7,6 % jährlich. Piotroski’s Berechnungen basieren auf Daten von für über 14.000 Aktien mit niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnissen. Dabei wählte er bei seiner Forschungsarbeit Aktien aus mit einem F-Score zwischen 8 und 9 (höchstmögliche Scores) als auch kleiner 2 niedrigste Scores) aus. Anschließend verglich er die Returns dieser Portfolios mit dem gesamten Aktienuniversum und stellte Folgendes fest:

  • Value-Aktien mit F-Scores zwischen 8-9 hatten eine um 7,5% höhere Rendite als das gesamte Universum
  • Für Aktien mit niedrigen F-Scores (<2) war die Wahrscheinlichkeit von Insolvenz oder De-Listings um 5x höher als für das gesamte Universum.

Neuere Backtests bestätigen die Outperformance auch im Zeitraum von 1999 bis heute. Des Weiteren erhöht das Shorten von hoch bewerteten Aktien mit niedrigem F-Score die Performance des Systems auf ca. 23 % pro Jahr. 

Welche Kennzahlen werden betrachtet?

Die 9 Kennzahlen der Piotroski F-Score

Jede der 9 Kennzahlen erhält bei Erfüllung des Kriteriums einen Punkt. Die 9 Kennzahlen sind unterteilt in drei Kategorien, die ich nachfolgend erläutern werde inklusive deren Kennzahlen.

  1. Profitabilität
  2. Leverage, Liquidität, Finanzierung
  3. Operative Effizienz

Profitabilität (4 Kriterien)

Die ersten 4 Kriterien der Profitabilität setzt sich aus den aufgeführten Kriterien zusammen. Bei Erfüllung erhält jedes Kriterium einen Punkt. Die Maximalpunktzahl für das Kriterium Profitabilität beträgt demnach 4 Punkte.

1. positiver Nettogewinn: der Jahresüberschuss sollte positiv sein, der Nettogewinn ist die Differenz aus Erlösen und Gesamtkosten nach Steuern.

2. positivem operativem Cashflow: der operative Cashflow ist eine Kennzahl, die den Teil des Cashflows widerspiegelt, der aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens stammt. Dieser sollte positiv sein.

3. ansteigender Kapitalrendite (RoA; Return on Assets): die Relation zwischen Gewinn (+FK-Zinsen) und dem Kapital (Eigenkapital + Fremdkapital) sollte höher als im Vorjahr sein

4. höherer Cashflow als Nettogewinn: der operative Cashflow sollte höher sein als das Ergebnis nach Steuern sein.


Leverage, Liquidität und Finanzierung (3 Kriterien)

5. sinkende Verschuldung: das Verhältnis zwischen Fremdkapital und Eigenkapital sollte gegenüber dem Vorjahr geringer sein.

6. steigende Liquidität 3. Grades: auch Current Ration genannt. Je eher das Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigt, desto besser für das Unternehmen in schwierigen Zeiten an flüssige Mittel zu kommen. Diese sollte sich ggü. dem Vorjahr erhöht haben um einen Punkt zu erhalten.

7. keine Ausgabe neuer Aktien: einen Punkt erhält das Unternehmen, wenn es keine neuen Aktien ausgegeben hat.


Operative Effizienz (2 Kriterien)

8. steigender Rohgewinn: die Rohmarge (oder auch Bruttomarge, Rohmarge) sollte sich ggü. dem Vorjahr verbessert haben.  Stellt die Differenz zwischen Umsatzerlösen und Waren- bzw. Materialeinsatz dar.

9. steigende Kapitalumschlagshäufigkeit (Asset Turnover): das Verhältnis zwischen Umsatz und Bilanzsumme soll besser als im Vorjahr sein.

Mein Fazit zur Piotroski F-Score

Aktienbewertung und -analyse sollte auf fundamentalen Daten bestehen. Die Piotroski F-Score bietet einen guten Ansatz, um finanziell gesunde Unternehmen zu ermitteln. In seiner Studie konnte er nachweisen, dass Unternehmen mit einer F-Score von <=2 einem höheren Insolvenzrisiko ausgesetzt sind. Des Weiteren schneiden Unternehmen mit F-Scores von 8 oder 9 deutlich besser als der Gesamtmarkt ab.

Beim meinem Screening von Aktien die an der Nasdaq gehandelt werden erhalte ich lediglich 2 Treffer von Unternehmen mit einem F-Score von 9 und einer Marktkapitalisierung von > 10Mrd USD. Diese sind:

  • ChipMOS Technologies Inc / US16965P2020
  • JD.com Inc. / US47215P1066

Aus meiner Sicht sollte es ein Instrument bei deiner Auswahl von Aktien sein, aber nicht das alleinige. Ob es künftig Überrenditen erzeugt, kann dir niemand sagen. Ich denke jedoch das es ein guter Anhaltspunkt ist, um die Aktien in deinem Portfolio oder auf deiner Watchlist zu prüfen und ggf. für dich neu zu bewerten.

Auf der anderen Seiten darf nicht unerwähnt bleiben, dass der F-Score stark schwanken kann, wie bei GuruFocus.com zu sehen ist am Beispiel von Johnson & Johnson. In den letzten 10 Jahres war die F-Score zwischen 1-8 und im Mittel bei 6. Bei meinem Aktienscreener ist der F-Score beispielsweise mit aktuell 6 berechnet (auf Jahresendesicht), bei Gurufocus.com gibt es die Möglichkeit auf Monatsbasis zu rechnen.

F-Score Johnson&Johnson die letzten 10 Jahre
Quelle: Gurufocus.com; Beispiel Johnson & Johnson die letzten 10 Jahre

Es ist wie vieles, ein Tool und eine Möglichkeit deine Aktien zu bewerten. Ein alleiniges Instrument wird es nicht geben, das wäre wohl die Zauberformel an der Börse. Wenn dir der Beitrag gefallen hat, du noch die ein oder andere Frage dazu hast, dann lass mir doch einen Kommentar da.


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Für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen gibt es den LINK zur Studie von der „The University of Chicago Graduate School of Business“.

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