Die Sparquote ist irreführend auf dem Weg zur finanziellen Freiheit

In diesem Beitrag geht es um die so oft genannte Sparquote. Wieso für mich der Begriff irreführend – ja sogar kontraproduktiv – und nicht für mein Ziel „finanzielle Freiheit“ ausreichend ist, beschreibe ich in dir.

Vielleicht ist dieser Beitrag etwas philosophisch, aber ich denke der Begriff Sparen ist zu weitläufig, wenn es um das Thema „finanzielle Freiheit“ bzw. „passives Einkommen“ geht. Der Begriff lässt für mich zu viel Spielraum offen und lässt aus meiner Sicht auch „falsches“ Sparen zu.

Definitionen im Web zur Sparquote

Auf der Suche nach Definitionen zur Sparquote bin ich sehr schnell zum statistischen Bundesamt (destatis.de) gestoßen. Die Quote privater Haushalte in Deutschland lag beispielsweise 1991 bei 12,6%, hatte den Tiefpunkt im Jahr 2000 bei 9% und liegt im Jahr 2018 wieder bei 10,4% (Stand März 2019). Offtopic: Für mich persönlich scheint diese Quote erschreckend gering.

Auf der Webseite des statistischen Bundesamts konnte ich folgende Definition finden:

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Die Sparquote errechnet sich aus dem Sparen in Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte (zuzüglich der Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche).

Auf einer anderen Webseite (Tagesgeldvergleich.de) komme ich auf folgende Definition:

Die Sparquote wird definiert als das Verhältnis von Ersparnissen zu Einkommen.

Sparquote der privaten Haushalte
=
Ersparnisse / verfügbares Haushaltseinkommen

Bei Wikipedia steht Folgendes:

Mit Sparquote bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die den Anteil der nicht ausgegebenen Einkommen wiedergibt.

Dann gibt es noch zahlreiche Blogs, die mehr oder weniger auf ihre Sparquote eingehen. Ich denke um vergleichbar zu sein, sollte jeder die Sparquote gleich berechnen. Nach den oben aufgeführten Definitionen gibt es jedoch Spielraum – wie so oft wenn Begriffe nicht eindeutig deklariert sind.

Formel zur Berechnung der Sparquote

Sparquote = Einnahmen – Ausgaben / Einnahmen

Wie bereits oben angekündigt, ist diese Definitionen aus meiner Sicht in Bezug auf finanzielle Freiheit unzureichend. Was bedeutet denn in diesem Kontext Sparen genau? Was wird zu den Ausgaben gerechnet und was nicht?

Ich nenne mal eine fiktive Beispielrechnung wie ich auf eine 40% Sparquote komme:

  • Max Mustermann verdient €2.500,- pro Monat. Er „spart“ monatlich €500,- für ein neues Auto, welches er in 4 Jahren kaufen möchte. Des Weiteren „spart“ er €200,- pro Monat für den Urlaub. Er legt noch €300,- in einen ETF-Sparplan an. Den Rest seines Gehalts gibt er komplett aus für Lebenshaltungskosten und Konsum.
  • Er spart pro Monat sage und schreibe €1.000,-, das entspricht einer Sparquote nach obiger Definition von 40%. Damit liegt er weit über dem Bundesdurchschnitt.

Ich denke das Beispiel macht es klar. Er legt Geld zurück (=bildet Rücklagen) für Ausgaben in der Zukunft. Demnach sollte dieses Sparen auch als Ausgabe verstanden werden. Ob ich diese Rücklage in einem Monat, einem Jahr oder ggf. in 3 Jahren erst verwende ist aus meiner Sicht egal. Dieses zurück gelegte Geld ist für Lebenshaltungskosten oder Konsum reserviert. Wenn es daher um das Thema „finanzielle Freiheit“ geht, ist die Sparquote ggf. nicht die zielführende Methode.

Nichtsdestotrotz ist die Sparquote eine wichtige Kennzahl, die mir zeigt, wie viel Geld meines Einkommens ich nicht ausgebe.

Um aber mein Ziel „finanzielle Freiheit“ bzw. Steigerung des „passiven Einkommens“ näher zu kommen, möchte ich den Begriff „Investitionsquote“ einführen. Dieser Begriff ist für mich viel wichtiger als die Sparquote.

Investitionsquote essentiell, um das passive Einkommen zu steigern

Um mein passives Einkommen zu erhöhen ist für mich ausschließlich die Investitionsquote (kurz: Investquote) von Bedeutung. Im oben genannten fiktiven Beispiel von Max Mustermann liegt die Investquote bei bei 12%.

Definition Investitionsquote

Die Definition der Investquote ist für mich Folgende:

Die Investquote wird definiert als das Verhältnis von Investitionen zum Einkommen

Quelle: eigene Definition

Investitionen sind in diesem Zusammenhang langfristiger Natur, andersherum gesprochen: Einmal investiertes Kapital wird nicht für Konsum verwendet. Was sind aber Einnahmen, Ausgaben und Investitionen?

Kategorisierung von Einnahmen, Ausgaben und Investitionen

Um die jeweiligen Quoten zu berechnen ist es für mich notwendig diese auch zu definieren. Die folgende Kategorisierung ist für mich die Richtige.

Einnahmen

Unter Einnahmen verstehe ich alles was mein Konto erhöht. Beispiele sind:

  • Gehalt
  • Geldgeschenke
  • Zinserträge (Banken, P2P, …)
  • Gutschriften aus Bonusprogrammen
  • Mieterträge
  • passives Einkommen

Ausgaben

Unter Ausgaben verstehe ich alles was mein Konto reduziert, aber auch die oben beschriebenen Rücklagen sind für mich bereits Ausgaben. Ich teile dabei in Lebenshaltungskosten, Konsumausgaben und Rücklagen ein. Lebenshaltungskosten sind Kosten die weitgehend wichtig für meinen „Lebenserhalt“ sind oder um meine Gesundheit oder Arbeit langfristig nachzugehen. Konsumausgaben sind Ausgaben auf die ich auch verzichten kann, ohne eine ernste Einschränkung in meinem Leben zu haben. Rücklagen sind Ausgaben, die in der Zukunft liegen.

Lebenshaltungskosten

  • Miete, Nebenkosten
  • Auto (Reparaturen, Kraftstoff, Steuer)
  • Versicherungen
  • Lebensmittel
  • Pflege
  • Zugfahrkarten
  • Kantine
  • Handy, Telefon
  • Sportabos (wie z.B. mein Freeletics Abo)
  • Zinsen für den Tilgungskredit eines Anlageobjekts
  • Kosten einer Hausverwaltung (auch für ein Anlageobjekt, nicht nur für die Eigentumswohnung

Konsumausgaben

  • Essen gehen
  • Kino
  • App Einkäufe
  • Autotuning
  • Musikanlage
  • TV Soundbar
  • neue Uhr

Rücklagen

Rücklagen kannst du für unzählige Dinge bilden. Hier eine Auswahl, für was du Rücklagen bilden kannst:

  • Urlaubsrücklagen
  • Notfallkonto (4-Monats-Netto-Gehälter)
  • Instandsetzungen (Eigenheim + Immobilienanlage) und Mietausfallrisiko (Immobilienanlage)
  • KFZ-Versicherung

Ich persönlich bilde Rücklagen für die Themen Notfallkonto (aktuell zu 100% gefüllt) und Instandsetzung (monatlich, laufend). Ich würde aus den Rückstellungen auch keine Wissenschaft machen. Ein Dauerauftrag auf ein separates Konto und gut ist (am besten noch aufgeteilt, je nach Thema). Urlaubsrücklagen bilde ich persönlich keine, dementsprechend ist meine Sparquote im jeweiligen Monat ggf. geringer oder das Notfallkonto wird dafür verwendet. Dieses wird dann wieder aufgefüllt, bis es wieder bei 100% ist. In diesem Zeitraum gibt es dann auch entsprechend weniger Investitionen.

Bildung von Rücklagen ist nicht „Sparen“

Rücklagen erhöhen mein Eigenkapital, werden aber gebildet um künftige Zahlungen zu leisten. Daher rechne ich Rücklagen nicht zu meiner Sparquote, diese würde meiner Meinung nach verfälscht werden.

Beispiel: Ich lege monatlich 1/12 meiner zu zahlenden KFZ-Versicherung zurück. Nach den oben genannten Definition von Sparen, ist das Sparen (es ist ja keine Ausgabe). Sparen wird definiert als Einnahmen abzüglich Ausgaben. Die Rücklage an sich gebe ich ja erstmal nicht aus, daher ist es auch keine Ausgabe.

Durch meinen Vorschlag auch Rücklagen als Ausgabe zu bezeichnen bin ich der Meinung eine eine gute und tatsächliche Aussagefähigkeit der Einnahmen, Ausgaben und Investitionen zu treffen. Das KFZ-Versicherungsbeispiel ist vielleicht zu nahe liegend. Aber auch Rücklagen für die Eigentumswohnung, Haus, etc. sind für mich keine Spartätigkeiten.

Investitionen

Nun der spannende Punkt, was verstehe ich unter Investitionen. Investitionen sind für mich ausschließlich langfristiger Natur, dieses Kapital gebe ich nicht aus und nutze ich langfristig für das Ziel „finanzielle Freiheit“:

  • Überweisung auf Aktiendepotkonten (damit verbundener Kauf von Aktien, ETFs, Sparpläne, Optionen, etc.),
  • monatliche Tilgungszahlung eines Anlageobjekts (Zins bitte herausrechnen),
  • Überweisung und Investition auf ein P2P-Konto,
  • Investition in Kryptowährungen oder
  • regelmäßige Zahlungen in Altersvorsorgekassen (LV, Betriebl. Altersvorsorge, Entgeltumwandlung).

Berechnung Sparsumme & Sparquote

Demnach setzt sich die Sparsumme und -quote nach meiner Definition wie folgt zusammen:

Sparsumme = Einnahme – Ausgaben (Lebenshaltung + Konsum + Rücklagen)

Beispiel: €3.000,- = €5.000,- minus €2.000,-

Sparquote in % = Sparsumme / Einnahmen * 100

Beispiel: 60% = €3.000 / €5.000,- * 100

Berechnung Investsumme & Investquote

Die Investitionsquote setzt sich wie folgt zusammen:

Investsumme = Summe aller Investitionen

Beispiel: €1.000,-

Investquote in % = Summe aller Investitionen / Einnahmen * 100

Beispiel: 20% = €1.000,- / €5.000,- * 100


Wie oben versucht zu erläutern gehört eine Rücklage nicht zum Sparen, demnach auch nicht zu Investitionen, sondern wird für mich als Ausgabe vom Typ Rücklage gekennzeichnet. Ob ich diese Ausgabe heute schon tätige oder in 10 Jahren ist für mich irrelevant. Das ist „reserviertes“ Geld für einen bestimmten Zweck. Daher möchte ich dies auch nicht als Sparquote ausgewiesen haben.

Für den Monat August lag meine Sparquote bei 44% und meine Investitionsquote bei 20%. Auf der Seite „Spar- und Investquote“ aktualisiere ich jeden Monat diese Kennzahlen, rückwirkend seit April 2019.


Wie siehst du das Thema? Berechnest du bisher deine Sparquote oder entspricht diese nach deiner Definition bereits der Investitionsquote? Lass uns doch darüber philosophieren…

2 Antworten auf „Die Sparquote ist irreführend auf dem Weg zur finanziellen Freiheit“

  1. Ich versuche dies möglichst schlank zu halten. Demnach ist meine Sparquote: „Weggelegtes Kaptital“ im Verhältnis zu den Einnahmen. Dieses Kapital verwende ich dann ausschließlich für Investitionen (und keines Falls für Konsum). Also sparen = investieren.

    Monatlich vergleiche ich noch Konten und sehe „zusätzlich unbewusstes sparen“ oder auch „erhöhter Konsum“. Dies ist ein grundlegender Faktor um meine Sparquote festzulegen und meinen Konsum festzustellen (ohne Tagebuch über Ausgaben zu führen).

    Ein Anhäufen von Geld für Konsumausgaben gibt es bei mir (aktuell) kaum und steht auch nicht an.

    Viele Grüße

    1. Hallo Martin,
      danke für deinen Input.
      Nach deiner Definition verwendest du dein gespartes Kapital komplett für Investitionen in jedem Monat, demnach ist Sparen = Investieren. Das ist auch mein Ziel, jedoch verschiebt sich das häufig bei mir in den Folgemonat. Daher ist meist die Sparquote ungleich der Investquote.
      Du schreibst weiter, dass du monatlich noch deine Konten vergleichst, d.h. du hast mehrere Konten auf denen du deine Einnahmen am Anfang verteilst und am Ende schaust du wo noch etwas übrig ist? Sind dann die Überschüsse das „zusätzlich unbewusstes Sparen“?

      Viele Grüße
      Rafael

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